Kiew


Kiew
Mutter der russischen Städte (umgangssprachlich); Hauptstadt der Ukraine

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Ki|ew ['ki:ɛf ]:
Hauptstadt der Ukraine.

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Kiew,
 
Kiev, ukrainisch Kyjiw ['kejɪv], Kỵïv, ['kejɪv], Hauptstadt der Ukraine sowie des Gebietes Kiew, beiderseits des Dnjepr, 2,624 Mio. Einwohner (72 % Ukrainer, 19 % Russen). Die Stadt ist geistlicher, wissenschaftlicher, kultureller und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Ukraine mit Universität (gegründet 1834), 16 Hochschulen, Ukrainische Akademie der Wissenschaften, knapp 200 Forschungsinstitute, Bibliotheken, etwa 25 Museen, sieben Theatern, Goethe-Institut, Planetarium, zoologischer Garten sowie mehreren Filmstudios. Sitz des Metropoliten der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Patriarchen der von Moskau nicht anerkannten Ukrainischen Orthodoxischen Kirche (Patriarchat Kiew; seit 1995) und seit 1996 auch des Exarchen der ukrainisch-katholischen Kirche in der Zentral- und Ostukraine. - Als wichtigstes Industriezentrum der Ukraine hat Kiew vielseitigen Maschinen- und Gerätebau, Werften, Flugzeugbau, elektronische, chemische und petrolchemische, vielseitige Gebrauchsgüter- und Nahrungsmittelindustrie. Die Stadt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt mit Untergrundbahn (seit 1960), Hafen (für kleinere Seeschiffe erreichbar) und einem nationalen und internationalen Flughafen (Borispol). - Oberhalb von Kiew entstand 1964-66 der 110 km lange, bis 12 km breite Kiewer Stausee des Dnjepr, und ein Pumpspeicherwerk (225 MW).
 
 
Erst nach dem 17. Jahrhundert wuchsen die ältesten, westlich des Dnjepr liegenden Teile von Kiew zusammen: die Oberstadt, die Unterstadt (Podol) mit dem Hafen und die südliche Vorstadt (Petschersk) um das Höhlenkloster. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt stark zerstört. Beim Wiederaufbau stand die Schaffung neuer Wohngebiete und Industrieanlagen (Industrie- und Wohnviertel östlich des Dnjepr [niedriges Wiesenufer], besonders ab 1958) im Vordergrund. Heute sind die Zerstörungen weitgehend behoben.
 
Von der ehemaligen Stadtumwallung mit 4 Toren aus der 1. Hälfte des 11. Jahrhunderts sind Reste des aus Ziegelsteinen gemauerten »Goldenen Tores« (1037) erhalten. In der Oberstadt liegt die Sophienkathedrale (UNESCO-Weltkulturerbe), 1037 bis um 1100 erbaut, 1240 zerstört, im 17./18. Jahrhundert wieder aufgebaut; dabei wurden dem ursprünglichen Bau, einer fünfschiffigen Kreuzkuppelanlage, eine Vorhalle und ein Glockenturm hinzugefügt; reicher Freskenschmuck (1046 bis um 1067). An der Stelle der Desjatinnaja-(Zehnt-)Kirche (989-996, 1240 zerstört) steht heute das Historische Museum. Direkt über dem Bergufer des Dnjepr erhebt sich die Andreaskathedrale nach Plänen von B. F. Rastrelli (1747-52).
 
Das Kiewer Höhlenkloster (Kiewo-Petscherskaja Lawra), erbaut 11.-18. Jahrhundert, ist das älteste Kloster im russischen Gebiet (Lawra); die Mariä-Himmelfahrtskathedrale (1073-78), Hauptkirche des Klosters, wurde 1941 zerstört; die Dreieinigkeits-Torkirche (ursprünglich 1106-08) erfuhr im 18. Jahrhundert eine Umgestaltung. Die UNESCO erklärte das Höhlenkloster zusammen mit den Katakomben zum Weltkulturerbe. Weitere Gründungen des 11. und 12. Jahrhunderts sind das Demetrius-Kloster (später Michaels-Kloster mit den »goldenen Dächern«), das Wydubezkij-Kloster mit Michaelskirche (1070-1088, zerstört im 16. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut), Georgskirche und Refektorium (17. Jahrhundert) sowie das Kirillowkloster (1140) mit Glockenturm (1760).
 
In der Unterstadt liegen die Koimesiskirche (1131-34), die Pokrowkirche von 1766 und die Uferkirche Sankt Nikolaus (1772-75). - Die Kirchen des 18. Jahrhunderts und der Klowskij-Palast (1754-58) gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des Kiewer Barock. Bauten des Klassizismus sind die Universität (1837-43) und das »Kontrakthaus« (1815-17). Historistische Architektur begegnet in der Wladimirkathedrale (1852-96), dem Gebäude der Kaufmannsversammlung (heute Philharmonie, 1882) und im Opern- und Balletttheater (1897-1901). Elemente des Jugendstils finden sich u. a. in der Villenarchitektur sowie bei dem überdachten Markt (1910). Nach der Erklärung Kiews zur Hauptstadt wurden im Zuge des Generalbebauungsplanes von 1938-40, der eine großzügige Entwicklung der Stadt vorsah, zahlreiche monumentale Bauten errichtet, u. a. das Gebäude des Ministerrates der Ukrainischen SSR (1934-38), die Post (1936-41), das Zentrale Stadion (1937-46). Nach 1945 entstand der Kreschtschatik, die Magistrale der Stadt, mit repräsentativen Gesellschaftsbauten neu. In der Folgezeit bildeten weitere Generalbebauungspläne (1955, 1967) die Grundlage für einen modernen Ausbau der Stadt.
 
 
Die Anfänge Kiews werden ins ausgehende 5. und das frühe 6. Jahrhundert datiert. Im 6./7. Jahrhundert Siedlung der ostslawischen Poljanen, erhielt Kiew nach der Legende (Nestorchronik) seinen Namen von dem angeblichen Gründer Kij. Für 860 erstmals in russischen Chroniken erwähnt, wurde die Stadt unter dem Nowgoroder Fürsten Oleg zum Zentrum des Kiewer Reichs (Russland, Geschichte). Die Lage am »Weg von den Warägern zu den Griechen« begünstigte den Handel mit Byzanz, sodass Kiew sich im 10. und 11. Jahrhundert zu einer der größten und reichsten Städte Europas entwickelte und 988-1300 auch das kirchliche Zentrum Russlands war. Als das Kiewer Reich nach 1054 zerfiel, verlor Kiew an Bedeutung; nach Eroberung und Zerstörung durch die Mongolen (1240) kam es, auch durch stagnierenden Dnjeprhandel, zum Niedergang. Unter der Herrschaft Litauens (seit 1362) und Polens (seit 1569) erholte sich die Stadt langsam (1494/97 Magdeburger Stadtrecht; 1632 Gründung der Geistlichen Akademie). Nach dem Aufstand des S. B. M. Chmelnizkij (1648) und dem Frieden von Andrussowo (1667) an Russland gekommen, wurde Kiew zur Festung ausgebaut, war seit 1708 Hauptstadt eines Gouvernements, 1781-97 einer Statthalterschaft, seit 1797 erneut eines Gouvernements (1869 Anschluss an das Eisenbahnnetz) und wurde Mittelpunkt der ukrainischen Nationalbewegung. 1917 bildeten hier nationale Gruppen eine eigenständige Regierung (Zentralnaja Rada), 1918 war Kiew Sitz des Hetmanats unter P. P. Skoropadskij. Im Bürgerkrieg immer wieder umkämpft, fiel Kiew 1920 an Sowjetrussland und wurde 1934 Hauptstadt der Ukraine. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt nach der Kesselschlacht von Kiew von September 1941 bis November 1943 von deutschen Truppen besetzt (Babij Jar).
 

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Ki|ew ['ki:ɛf]: Hauptstadt der Ukraine.

Universal-Lexikon. 2012.

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